08. - 10. Mai 2009, Berlin, Velodrom
| Antragsteller/innen: | KV Leer |
|---|---|
| Gegenstand: | Verschiedenes |
| Anmerkungen: | KMV-Beschluss vom 3.11.2008, vertagt von der BDK Dortmund |
Umbenennung der Paul von Lettow-Vorbeck Kaserne
Liebe grüne Mitstreiterinnen und Mitstreiter,
wir beziehen uns mit unserem Antrag "Umbenennung der Paul von Lettow-Vorbeck Kaserne" in Leer und Segeberg auf den Beschluss der 27.BDK 2007 "Umbenennung der Kasernen" .
Die Delegierten der BDK mögen die Umbenennung der Lettow-Vorbeck- Kasernen ergänzend zu dem Beschluss beschließen.
Antrag
Die Bundesdelegiertenkonferenz möge beschließen:
Namen von Bundeswehrkasernen überprüfen
Unsere Partei BÜNDNS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, dass alle Bundeswehrkasernen unverzüglich hinsichtlich der Gesinnung ihrer Namensgeber überprüft und ggf. umbenannt werden.
Hintergrund:
Der Traditionserlass von 1982, welcher offiziell die Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege in der Bundeswehr regelt, bestimmt, dass "Kasernen und andere Einrichtungen ... nach Persönlichkeiten benannt werden, die sich durch ihr gesamtes Wirken oder eine herausragende Tat um Freiheit und Recht verdient gemacht haben". Allerdings bestehen Bundeswehr-Einrichtungen, welche Namen von führenden Militärrepräsentanten des nationalsozialistischen Terrorregimes und des Kontingentheeres Deutsches Kaiserreich tragen, die an Angriffs- und Vernichtungskriegen aktiv mitgewirkt haben. Mit dem Benennen von Kasernen nach solchen Personen, werden die Taten von diesen Kriegsverbrechern nicht nur relativiert, sondern im Sinne einer Traditionspflege hoch geehrt. Dies ist für die Bundeswehr sowie auch für die bundesdeutsche Gesellschaft untragbar und kann nicht mehr hingenommen werden. Im nachfolgenden einige kurz gefasste Biographien von Namensgebern von bestehenden Bundeswehrkasernen:
Generaloberst-von-Fritsch-Kaserne in Pfullendorf (seit 1959)
Werner Freiherr von Fritsch war von 1935 bis 1938 Oberbefehlshaber des Heeres. Nach eigenen Aussagen war er fleißiger Leser von Hitlers "Mein Kampf". Fritsch war ein nationalistischer Anti-Demokrat und Antisemit. Den sozialdemokratischen Reichspräsidenten Ebert bezeichnete er als "Schweinehund". Für ihn wollten "Pazifisten, Juden, Demokraten, Schwarz-Rot-Gold und Franzosen alles das Gleiche, nämlich die Vernichtung Deutschlands".
Seit dem 30. Januar 1937 war Fritsch Träger des Goldenen Parteiabzeichens, der höchsten Auszeichnung, die der NS-Staat zu verleihen hatte. Am 22. November 1938, also kurz nach der Pogromnacht, schrieb Fritsch: "Bald nach dem Kriege (gemeint ist der Erste Weltkrieg) kam ich zur Ansicht, dass 3 Schlachten siegreich zu schlagen seien, wenn Deutschland wieder mächtig werden sollte. 1. Die Schlacht gegen die Arbeiterschaft, sie hat Hitler siegreich geschlagen; 2. gegen die katholische Kirche (...) u. 3. gegen die Juden. In diesen Kämpfen stehen wir noch mitten drin. Und der Kampf gegen die Juden ist der schwerste. Hoffentlich ist man sich über die Schwere dieses Kampfes überall klar." In einem Tagesbefehl von 1935 heißt es: "Wer schädigend gegen den NS-Staat handelt, ist ein Verbrecher." Fritsch wurde 1938 durch eine Intrige entlassen, später aber wieder rehabilitiert und blieb dem Regime treu. Beim Überfall auf Polen befehligte Fritsch ein Artillerieregiment und starb beim Sturm auf Warschau den so genannten „Heldentod“.
Generalfeldmarschall Rommel-Kaserne in Augustdorf (seit 1961)
Rommel-Kaserne in Dornstadt/Ulm (seit 1965)
Beim Angriff auf Polen kommandierte Erwin Rommel eine Panzerdivision. Noch vor dem Einmarsch in Polen schrieb Rommel "Die deutsche Wehrmacht ist das Schwert der neuen Weltanschauung."
Als Oberbefehlshaber des Deutschen Afrika-Korps ist er als "Wüsten-Fuchs" legendär geworden. Nach der Landung der Alliierten in Sizilien übernahm er zunächst das Kommando in Norditalien. Nach der Kapitulation Italiens war er für Verbrechen gegenüber italienischen Soldaten und ZivilistInnen verantwortlich: "Irgendwelche sentimentalen Hemmungen des deutschen Soldaten gegenüber Badogliohörigen Banden in der Uniform des ehemaligen Waffenkameraden sind völlig unangebracht. Wer von diesen gegen den deutschen Soldaten kämpft, hat jedes Anrecht auf Schonung verloren und ist mit der Härte zu behandeln, die dem Gesindel gebührt, das plötzlich seine Waffen gegen seinen Freund wendet." Zu Unrecht ist er über Jahrzehnte zum Widerstand gerechnet worden, da er über die Pläne des Umsturzes gegen Hitler informiert war. Er übte aber lediglich Kritik an Hitlers Kriegsführung. Als Rommel vom missglückten Attentat erfuhr, schrieb er an seine Frau: "... hat mich das Attentat auf den Führer besonders stark erschüttert. Man kann Gott danken, daß es so gut abgegangen ist."
Rommel verübte im Oktober 1944 Selbsttötung, als er vor die Wahl gestellt wurde, entweder eine Giftkapsel zu schlucken oder wegen Hochverrats vor den Volksgerichtshof gestellt zu werden.
Innerhalb des Heeres werden bei Manövern bzw. Vergleichskämpfen besonders hervorstechende Panzerverbände auch heute noch mit dem "Rommel-Preis" ausgezeichnet.
General-Hüttner-Kaserne in Hof a.d. Saale (seit 1985)
Hans Hüttner, General der Wehrmacht, wird in dienstlichen Beurteilungen als "überzeugter Nationalsozialist" und als ein soldatischer Führer, der "vom Nationalsozialismus erfüllt ist", bezeichnet. Am 20. April 1943, an "Führers" Geburtstag, hielt Hüttner in Hof eine Durchhalterede: "Einmal wird auch dieser Krieg siegreich zu Ende gehen und dazu wollen wir alle unserem Führer helfen!" Hüttner war von 1905 bis 1945 Soldat.
Quelle: Jakob Knab, Sprecher der "Initiative gegen falsche Glorie"
Lettow-Vorbeck-Kaserne in Bad Segeberg (seit 1964)
Von-Lettow-Vorbeck-Kaseren in Leer (seit 1938)
Paul von Lettow-Vorbeck war 1904 als Adjutant von General von Trotha maßgeblich an der blutigen Niederschlagung des Herero-Aufstandes in dem damaligen „Deutsch-Südwest“, dem heutigen Namibia, beteiligt. Das äußerst brutale Vorgehen, das unter anderem das Abdrängen der geschlagenen Hereros in die Wüste beinhaltet, kostete damals rund 75 Prozent der Hereros das Leben und wird heute im Allgemeinen als Völkermord bewertet.
Lettow- Vorbeck war maßgeblich am ultrarechten Kapp- Lüttwitz-Putsch beteiligt, der sich gegen die demokratisch legitimierte SPD- Regierung der Weimarer Republik stellte. Auf Grund seiner Beteiligung am Kapp/ Lüttwitz-Putsch wurde er im Sommer 1920 aus der Reichswehr verabschiedet.
1938 ernannte Hitler ihn zu seinem " General zur besonderen Verwendung". Im gleichen Jahr wurde die Kasere in Leer nach ihm benannt.