Deutschland "in tiefer Bildungsmisere"

Deutschland könne sich keine "weitere Showveranstaltung à la Merkel" leisten, sagte Claudia Roth im Vorfeld des am Mittwoch stattfindenden Bildungsgipfels der Bundesregierung. Der "notwendige Neuanfang" zeichne sich nicht ab, kritisierte die Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.
Deutschland sei nicht auf dem Weg zu einer "großen Bildungsrepublik", so Roth am Montag in Berlin, in Anspielung an die gleichnamige Initiative von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU). Dafür stecke das Land zu sehr in einer "tiefen Bildungsmisere."
Bildungsdefizite
Die Defizite sieht die Grünen-Vorsitzende besonders in den Bereichen der flächendeckenden Infrastruktur von Kindertageseinrichtungen, dem immer noch vorwiegenden dreigliedrigen Schulsystem und der Ausstattung und Qualität der Schulen. Die deutschen Hochschulen seien sowohl überlaufen als auch unterfinanziert. Das führe zu dem Ergebnis, dass momentan 40 Prozent der Studierenden zunächst auf ihren Studienplatz warten müssten.
Die Forderungen
Es dürfe jetzt nicht weitergehen wie gehabt. An den Bildungsgipfel hat die Bundesvorsitzende der Grünen konkrete Forderungen:
- Garantierter Kindertagesstättenplatz ab dem ersten Lebensjahr
- Flächendeckende Einführung der Ganztagsschule bis 2020
- Umsetzung des Rechts auf Ausbildung
- Sicherstellung der Finanzierung des Bildungssystems, z.B.: durch den Bildungssoli
- Bewertung von Bildungsausgaben als Investitionen
Eine von Bundesministerin Schavan selbst in Auftrag gegebene Studie, beweise, dass "junge Menschen von der Studiengebühr abgeschreckt werden, besonders aus den sozial schwächeren Schichten". "Die Studiengebühren müssen vom Tisch", so Claudia Roth. (20.10.2008)