Aktueller denn je!

Prof Funken

Heute ist der Gerechtigkeitsgedanke aktueller denn je. Noch nie waren die Frauen so gut ausgebildet wie heute. Brigitte Pothmer, arbeitsmarktpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, ist sich sicher: "Jetzt muss die Wirtschaft sich bewegen!", wenn sie den Fachkräftemangel bekämpfen wollen.

Auf der Bundesfrauenkonferenz in Nürnberg diskutieren an diesem Wochenende gut 150 Frauen unter dem Motto: "Gleichstellung - keine Frage!". Prof. Dr. Christiane Funkens präsentierte in ihrer Rede die Ergebnisse ihrer und anderer Studien. Ergebnis: Es gibt die "Gläserne Decke" für Frauen auf der Karriereleiter. Sie sei schwer messbar, aber das Verhältnis von Frauen und Männern im Topmanagement belegt ihre Existenz.

Schuld an dem Missverhältnis sei unter anderem das Ähnlichkeitsprinzip, erklärte die Professorin der TU-Berlin. Anhand eines gefühlten Musterarbeitnehmers würden Bewerber eingestellt und auch befördert. Da es sich dabei meistens um Männer handele, würden diese bevorzugt. Frauen wären demnach ein Einstellungs-Risiko. Dieses Risiko müsse der Personaler rechtfertigen – durch einen niedrigeren Lohn.

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(v.l.: Deborah Ruggieri, Ana María Jurisch, Theresa Schopper, Brigitte Pothmer, Marion Knaths)

Für den Anteil von Frauen in deutschen Aufsichtsräten bedeutet das Ähnlichkeitsprinzip, dass nur durch eine gesetzliche Quotenregelung Frauen eine Chance auf die wichtigsten wirtschaftlichen Posten haben. Norwegen hat es vorgemacht. Die Quotenregelung dort verlangt 40 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten.

Neben der Quotenregelung fordern BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN unter anderem Änderungen beim Ehegattensplitting und bei der Kinderbetreuung. "Das Alleinverdienermodell hat ausgedient!", so Brigitte Pothmer. Neben der Ungleichheit produziere dieses veraltete Modell Armut, insbesondere Kinderarmut.

Deborah Ruggieri, Mitglied im Attac-Rat, verlangt ebenfalls nach der gesetzlichen Quote. Dass der Markt sich selbst regulieren werde - daran glaubt sie nicht mehr. 

Migrantinnen sind in der Arbeitswelt meist einer doppelten Diskriminierung ausgesetzt, berichtete Ana Maria Jurisch vom Büro interkulturelle Projekte, Aachen. Dabei würden die großen Potentiale, die viele Migrantinnen hätten nach wie vor nicht erkannt und damit zum Schaden beider Seiten auch nicht genutzt.

Die Unternehmensberaterin Marion Knaths rät den Frauen, selbstbewusster in der Wirtschaft aufzutreten. Frauen würden eher die Aussage treffen, sie backten Plätzchen. Während Männer sich sofort zum Plätzchenbäcker ernennen würden.

Theresa Schopper, Bayerische Spitzenkandidatin für die Landtagswahl am Sonntag, resümierte die Podiumsdiskussion. Sie habe gezeigt, dass „eben nicht alles in Ordnung ist.“, auch wenn die Grünen auch auf ihre Erfolge in der Frauenpolitik stolz seien können.

BÜNDNNIS 90/DIE GRÜNEN haben seit 1986 eine Mindestquote von 50 Prozent in der Satzung festgeschrieben. (21.09.08)

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