Bye, bye Zuverdienerin

25 Prozent durchschnittlicher Lohnunterschied belegen: „selbstverständlich“ ist die Gleichstellung von Frauen und Männern überhaupt nicht. Unter dem Motto „Gleichstellung –Keine Frage!“ diskutieren gut 150 Frauen an diesem Wochenende auf der Grünen Bundesfrauenkonferenz: Was muss sich ändern? Wie ändern wir das?
Am Samstag in Nürnberg vergegenwärtigte Christine Stahl, MdL BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bayern, in ihrem einleitenden Grußwort den Handlungsbedarf in der Frauenpolitik. 
Eine Voraussetzung für die eigenständige Existenzsicherung von Frauen sei unter anderem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier sehe es in Bayern besonders schlecht aus.
Für nicht mehr als sieben Prozent der unter Dreijährigen hält die Bayerische Kinderbetreuung eine Tagesstätte bereit. Werden die Kinder zu Grundschülern, gibt es nur für zwölf Prozent eine Mittagsbetreuung. Ganze zwei Prozent der Schülerinnen und Schüler können in eine Ganztagsklasse gehen. "Es gibt keine Frauenpolitik in der CSU“, stellte Stahl fest.
In der anschließenden Podiumsdiskussion „Bye, bye Zuverdienerin – Voraussetzungen für die eigenständige Existenzsicherung für Frauen heute“ sprach die Moderatorin und taz-Chefredakteurin Bascha Mika die verschiedenen Hürden von Frauen in der Arbeitswelt an.
Die Leiterin im Bereich Frauenpolitik des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Claudia Menne bestätigte, dass nur zwölf Prozent der Tarifvereinbarungen die Chancengleichheit enthielten. Menne berichtete, dass neue Schulungen bei kommenden Tarifverhandlungen helfen sollen. Bei den Gewerkschaften seien Verbesserungen im Gange.

(v.l.) Bascha Mika, Claudia Menne, Astrid Rothe-Beinlich, Ingrid Hofmann
Auch Ingrid Hofmann, Mitglied im Präsidium der Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände, konstatierte, dass der BDA keine “Speerspitze für die Frauen“ sei. Sie sei jedoch glücklich in der männerdominierten Bastion für die Frauenrechte kämpfen zu können. Eine Quotenregelung in der Wirtschaft schloss sie für die Zukunft nicht aus.
Bascha Mika fragte Astrid Rothe-Beinlich, Frauenpolitische Sprecherin und Mitglied im Bundesvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, was die Politik täte. Rothe-Beinlich bemängelte, dass in den anderen Parteien keine wirkliche Frauenpolitik betrieben werde. Auch die SPD sei innerhalb der Großen Koalition als frauenpolitische Kraft nicht wahrnehmbar.
Rothe-Beinlich sagte, für die eigene Existenzsicherung von Frauen werde sie auch weiterhin für die Abschaffung des Ehegattensplittings, die Einführung von Quotenregelungen und für Mindestlöhne kämpfen. (20.09.2008)