Gleichstellung ist ökonomisch sinnvoll

Frauen machen die besseren Abschlüsse und bekommen doch weniger Lohn. Noch nie gab es so viele Frauen in mittleren Führungspositionen, aber der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder in deutschen Topunternehmen ist 2008 sogar auf 5,65% gesunken. Schuld daran: die "Gläserne Decke".

"Die Möglichkeiten Karriere zu machen sind für Männer und Frauen unterschiedlich", betonte Christiane Funken am Freitag im Pressegespräch zur Bundesfrauenkonferenz vom 21. bis 22. September. Die Professorin für Geschlechterforschung führt die Chancenungleichheit auf unterschiedliche Faktoren zurück.

"Männer sind nicht böse" so Funken, aber überholte Stereotype beeinflussten noch immer die Einschätzung von zum Beispiel männlichen Entscheidungsträgern. Bei Ausschreibungen würden oftmals Männer ihren gleichermaßen qualifizierten Kolleginnen vorzogen, weil Frauen noch immer ein weicherer Führungsstil oder weniger Durchsetzungsfähigkeit zugeschrieben werde.

Dass Karriere allein auf Leistung basiere, sei "ein großer Denkfehler, den Frauen machen", sagt Funken weiter. Männer verstünden es besser die Bedeutung interner Netzwerke zu nutzen, in denen oft die Entscheidungen getroffen werden. Der Einstieg in interne Netzwerke werde Frauen außerdem erschwert, weil Männer sich untereinander sicherer fühlen. Denn - so Funken - viele Männer entscheiden unbewusst: "Ich kann die Person am besten einschätzen, die mir ähnelt – und das ist für Netzwerke eine wichtige Voraussetzung.“

Ökonomisch effizient statt "Frauenförderung"

Aber der Ausschluß von Frauen in Top-Positionen ist ökonomisch nicht sinnvoll, sondern schädlich. Viele Studien belegen, so Funken, dass Unternehmen in deren Vorstand mehrere Frauen säßen höhere Profite erwirtschafteten. Die Unternehmen, die für Frauen in ihren Chefetagen sorgen, betreiben somit keine „Frauenförderung“, sondern verhalten sich nach ökonomischen Argumenten. 

"Viele Frauen reagieren auf Frauenförderung allergisch", ergänzte Astrid Rothe-Beinlich, frauenpolitische Sprecherin im Bundesvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Deshalb gehe es auf der Bundesfrauenkonferenz "Gleichstellung – keine Frage" nicht um Förderung, sondern um Chancengleichheit. Natürlich werde auf der Konferenz auch nicht nur über Frauen in Top-Positionen gesprochen, sondern über die Schwierigkeiten und Lohnunterschiede in allen sozialen Schichten, betonte Rothe-Beinlich. (12.09.2008)

Postkarte Bundesfrauenkonferenz 2008

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