Grün zahlt sich aus.

FinanzmarktkonferenzKönnen die Finanzmärkte die Klimarevolution finanzieren? Auf der Finanzmarktkonferenz waren hochrangige Bankvertreter der Ansicht: "In der Marktwirtschaft verbindet sich wirtschaftliche Freiheit mit einem sozialen und ökologischen Ordnungsrahmen." Dieser Satz entstammt dem Grünen Grundsatzprogramm.

Spätestens seit dem Stern-Report aus 2006 ist klar: Der Klimawandel wird zunehmend zu einer ökonomischen Größe. Die Risiken für die Weltwirtschaft und die internationalen Finanzmärkte sind enorm. Akteure der Finanzmärkte sollten daher ein ureigenes Interesse haben, das Klima zu schützen. Zu dieser Frage trafen sich Grüne mit 200 Repräsentanten aus der Finanzwelt in Frankfurt/Main zu einem Austausch.

Reinhard Bütikofer, Bundesvorsitzender der Grünen, rief die Bankenvertreter dazu auf "eine Revolution zu finanzieren". Die Finanzwirtschaft könne als "grüner Motor" beim ökologischen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft dienen, so Bütikofer.
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Klaus-Peter Müller, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken und Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank AG, sagte in seiner Eröffnungsrede: "Dauerhafter Erfolg ist ohne nachhaltiges Handeln unmöglich." Anders könne er sich Handel nicht vorstellen. Daher werde sich die Wirtschaft im eigenen Interesse selbst regulieren.

Von der Politik erhoffte sich Müller, dass sie klare Ziel-Vorgaben geben solle. An diesen könne sich die Wirtschaft eigenverantwortlich orientieren. Dabei sei der CO2-Emissionshandelein beispielhaft wichtiges Instrument. Die Freiheit der Märkte müsse erhalten bleiben.

FinanzmarktkonferenzDr. Christof Berndorff, Sprecher des Vorstandes der Pax-Bank Köln (ZDK), sagte, Investmentfonds mit ethischer und nachhaltiger Ausrichtung könnten mit herkömmlichen Fonds durchaus mithalten. Die Kurve verlaufe sogar besser als die des Fondsdurchschnitts.

Kriterien für nachhaltige Fonds

Berndorff sprach sich dagegen aus, Mischfirmen in grüne Fonds aufzunehmen. So würde die Pax-Bank alle Firmen ablehnen, die ihren ethischen und ökologischen Richtlinien zu mehr als 2 % widersprechen.

Damit Fonds rein als Ökofonds verkauft werden können, befürwortet Berndorff die Institutionalisierung einer unabhängigen Rating-Agentur. Sie sollte Richtlinien aufstellen und überprüfen. Selbstkontrolle hielt er für unangemessen.

Transparenz gefordert

Den Wunsch nach Transparenz hegten sämtliche Redner. Anbieter von Fonds, die auch Atomenergie in ihren Ökofonds führen, würden so entlarvt. Der Kunde hätte die Wahl, was er kauft.

Dr. Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, setzte sich für "einen Mix aus Selbstverpflichtung und gesetzlichen Regelungen" des Finanzmarktes ein.Es bedürfe Transparenz vom ersten bis zum letzten Akteur bei derErstellung eines Fonds. Ansonsten werde es sehr schwer sein, Qualität zu sichern und auch zu durchschauen.
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Schick berichtete in seiner Rede von Feld-Versuchen seines Bundestagsbüros. Seine Mitarbeiter hätten sich bei Banken über Fonds beraten lassen. In den Beratungsgesprächen seien sie nicht ein einziges Mal auf Ökofonds oder nachhaltige Fonds aufmerksam gemacht worden. Teilweise hätten die Banken auch auf Nachfrage keinerlei Informationen anbieten können. Für Gerhard Schick hingegen gehört das Thema "ethische Bewertung" in jedes Beratungsgespräch.

Auf die Frage, warum so wenig Volumen in diesen Bereich investiert würde, antwortete Klaus-Peter Müller: "Wir sind sehr lippenbewusst. Wir sind gedanklich noch nicht angekommen." Er sei dennoch froh, dass "sich jetzt etwas tut."

Aufgaben für die Politik

FinanzmarktkonferenzReinhard Bütikofer, Bundesvorsitzender von BÜDNDIS 90/DIE GRÜNEN, sagte in seinem Fazit, er hätte sich notiert, die Politik solle klare nachhaltige Ziele für die Wirtschaft schaffen. Es müsste eine Rollenverteilung geben für einen "kreativen Mix aus Regulierung und Selbstregulierung". Die Hauptaufgabe sei, so Bütikofer, die Mobilisierung dieses Marktes. (13.06.2008)

 

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