Störfall in AKW wirft Fragen auf

Der Störfall im slowenischen Atomkraftwerk (AKW) Krsko am Mittwoch Abend ist kein Einzelfall. In den letzten Jahren kam es zu einer Reihe von Zwischenfällen, nicht zuletzt in Krümmel, Brunsbüttel und im schwedischen Forsmark. gruene.de befragte Rebecca Harms, Abgeordnete im EU-Parlament, zu den Hintergründen.

gruene.de: Im slowenischen Atomkraftwerk Krsko gab es gestern einen Störfall, anschließend wurde von der EU europaweit "Atomalarm" ausgelöst. Kurze Zeit später wurde beschwichtigt. Wie schlimm war es denn nun wirklich?

Rebecca Harms: Im Primärkreislauf des Atomkraftwerks gab es ein Leck, aus dem Kühlflüssigkeit ausgelaufen ist. Der Reaktor wurde daraufhin heruntergefahren. Diese Art des Zwischenfalls ist zwar keine Seltenheit, aber eine Kleinigkeit ist es keineswegs. Ausreichende Kühlung ist für die Reaktorsicherheit extrem wichtig. Auch nach der Abschaltung eines Reaktors wird noch über lange Zeit Hitze erzeugt, weshalb ein funktionierendes Kühlsystem auch dann noch notwendig ist, um einen katastrophalen Störfall zu vermeiden.

gruene.de: Aber die Behörden verweisen darauf, dass keine Radioaktivität ausgetreten sei.

Rebecca Harms: Das gilt es erst einmal noch aufzuklären. Die Messstationen der Region um das AKW zeigen für die Nacht vor dem Alarm bereits signifikante Ausschläge, die jeder auf der entsprechenden Homepage (http://eurdep.jrc.it) einsehen kann. Hier erwarte ich eine Erklärung von der Kommission, den slowenischen Behörden, aber auch von der Bundesregierung. Immerhin hat Sigmar Gabriel gestern sehr schnell ausgeschlossen, dass eine wirkliche Gefahr bestanden hätte.
Aber selbst wenn keine Radioaktivität ausgetreten sein sollte, bleibt die Tatsache, dass es ein Systemversagen an sehr sensibler Stelle im Reaktor gegeben hat.

gruene.de: Hat Europa denn den Testfall am gestrigen Tag bestanden, und hat die Zusammenarbeit zwischen Brüssel und den Mitgliedsstaaten funktioniert?

Rebecca Harms: Der gestrige Tag hat aus meiner Sicht mehr Fragen offen gelassen als Antworten gegeben. Was hat die Kommission veranlasst diese europaweite Warnung herauszugeben? Welche konkreten Informationen wurden von der slowenischen Aufsichtsbehörde an die Kommission übermittelt? Und warum wurde die französische Regierung noch vor der Kommission über die Vorkommnisse unterrichtet? Darüber hinaus wäre es zur Einschätzung der Ereignisse auch hilfreich zu erfahren, wie oft das europaweite Informationssystem für solche Vorfälle ECURIE in der Vergangenheit bereits Alarmmeldungen ausgelöst hat, von denen die Bevölkerung nichts erfahren hat. (05.06.2008)