Red, White & Green

Acht deutsche Grüne haben im April in Washington D.C. den ersten Ortsverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN außerhalb Europas gegründet. Grüne in Deutschland können nun vom Fachwissen und neuen Ideen der anderen Seite des Atlantiks profitieren. Gruene.de sprach mit dem Vorsitzenden Thomas Müller.

gruene.de: Herzlichen Glückwunsch zur Gründung des grünen Ortsverbandes in Washington. Was sind denn Eure Ziele als erster bündnisgrüner Ortsverbands außerhalb Europas?

Thomas Müller: Wir bieten eine Plattform für Grüne in Washington und Umgebung, damit sie sich aktiv an der Formulierung grüner Politik beteiligen können. Die meisten von uns leben bereits seit mehreren Jahren im Ausland, jetzt in den USA aber vorher oft auch im Rest der Welt. Darüber hinaus wollen die Grünen DC internationale Perspektiven in die grüne Debatte in Deutschland einbringen. Schließlich können die Erfahrungen und Perspektiven der im Ausland lebenden Deutschen wichtige Impulse für die Formulierung grüner Politik in einer globalisierten Gesellschaft geben. Dies gilt insbesondere für die Überwindung eines latenten Anti-Amerikanismus und die Debatte über verantwortliches Handeln als Bürgerinnen und Bürger in einer sich entwickelnden Weltgesellschaft. Wir wollen bei diesen Themen einen konstruktiven Ansatz, der die Chancen richtig bewertet und zu ihrer Verwirklichung beiträgt.

gruene.de: Was für Chancen seht ihr?

Thomas Müller: Die Grünen haben sich als Vorreiter der Umweltpolitik überall Respekt erworben, gerade auch hier in den USA. Wir wollen die Chancen für neue Allianzen nutzen, auch mit ungewöhnlichen Partnern. Klimaschutz ist z.B. für global agierende Banken ein Riesenthema, nicht nur weil sie auf Profite im Carbon Trading (Emissionshandel) oder der Finanzierung des energiepolitischen Umbaus hoffen, sondern vor allem, weil globale Portfolien als erste von globalen Risiken betroffen sind. Angesichts der globalen Probleme können wir uns Berührungsängste nicht leisten. Auf keiner Seite.

gruene.de: Ihr sagt, dass man von den USA auch lernen kann und das Globalisierung nicht nur Risiken birgt. Gleichzeitig erhöht Globalisierung den Wettbewerb und soziale Ungleichheit. Keine Angst vor amerikanischen Verhältnissen?

Thomas Müller: Gerade für einen Ortsverband in den USA, der die amerikanischen Verhältnisse täglich erlebt, kann das nicht das Ziel grüner Politik sein. Im Gegenteil, wir brauchen neue, innovative Ideen, die soziale Sicherung in einer globalisierten Welt ermöglichen. Die grüne Diskussionen über das Grundeinkommen wird hier auch international wichtige Impulse geben können. Ich bin persönlich übrigens davon überzeugt, dass sich ein Grundeinkommen positiv auf Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit auswirken würde. Es würde lebenslanges Lernen und kreative Auszeiten einfacher machen und hoffentlich auch mehr Menschen ermutigen, unternehmerische Eigenständigkeit zu wagen. (09.05.2008)

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