Die Stromlücken-Lüge
Grünen-Vorsitzender Reinhard Bütikofer hat am Montag in Berlin die Deutsche Energie-Agentur einen "Büttel der Strombetreiber" genannt. Die Agentur unterstütze mit ihren Behauptungen zur "Stromlücke" diejenigen, die "trotz Klimadebatte neue Kohlekraftwerke bauen und ihre Atomkraftwerke länger laufen lassen wollen".
Mit willkürlichen Annahmen versuche die Regierung der deutschen Öffentlichkeit etwas einzureden, das durch die Fakten nicht gedeckt werde. "Kronzeuge" der angeblichen Stromlücke sei die Deutsche Energie-Agentur (dena), sagte der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen auf einer Pressekonferenz.
Die dena hatte in einer Kurzanalyse behauptet, dass im Jahr 2020 ein Engpass in der Energieversorgung von 11 - 20.000 Megawatt zu erwarten sei.
Zu diesem Ergebnis komme die dena, so Bütikofer, "weil sie gezielt die Annahmen so wählt, dass eine Stromlücke unvermeidbar ist." Die Annahmen der dena zu der Lebensdauer bestehender Kraftwerke seien wesentlich kürzer als die Annahmen des Berichtes der Bundesnetzagentur.
Die Betreiber der Kraftwerke selbst gingen von einer Stillegung von 2.400 Megawatt aus, die dena ihrerseits nehme mehr als das zehnfache in ihre Berechnung auf. Eine Richtigstellung dieser Annahme alleine würde die vorausgesagte Stromlücke verhindern.
Offshore-Windlagen - in 2020 geringer Beitrag?
Absichtlich berechne die dena einen extrem geringen Anteil an Erneuerbaren Energien für das Jahr 2020. Offshore-Windanlagen würden laut dena-Bericht 2020 keinen relevanten Beitrag zur gesicherten verfügbaren Energieleistung liefern.
2007 exportierte Deutschland 19 Terawattstunden Strom in Nachbarländer. Die dena rechne aus der Notwendigkeit diesen Stromexport auch in der Zukunft zu garantieren, eine Stromlücke in Deutschland ab, sagte Bütikofer. "Das ist doch völlig absurd!"
Laut Bundesregierung werde die Stromeinsparung bis 2020 um elf Prozent sinken. Die dena gehe von einer Stromeinsparung Deutschlands um sieben Prozent aus. Dies alleine sei wiederum die Hälfte der prognostizierten Stromlücke, rechnete Bütikofer vor.
Auch ein effizienteres Last-Management rechne die Deutsche Energie-Agentur nicht mit ein. Bereits heute sei diese Technik, mit der Stromspitzen abgedeckt würden, gängig.
Innovative Speichertechnologien würden ebenfalls nicht in die Rechnung der dena aufgenommen, so Bütikofer. Die dena rechne mit den Technologien, die wir heute bereits verwenden. "Mit der Sorge der Bürgerinnen und Bürger wird in böswilliger Absicht Schindluder getrieben." quittierte Bütikofer den Bericht. Daher spreche er von "einer Stromlücken-Lüge".
Die Grüne Bundestagsfraktion hat mit ihrem Konzept Energie 2.0. vorgerechnet, wie bis 2020 der CO2-Ausstoß ohne Kohle und Atom gesenkt werden könnte, ohne dass dadurch eine Stromlücke entstehen würde.
Bundesvorstand unterstützt Volksinitiative Brandenburg
Im Zusammenhang mit dieser Debatte habe der Bundesvorstand beschlossen, die Volksinitiative in Brandenburg gegen neue Tagebaue zu unterstützen, sagte der Bundesvorsitzende.Denn alleine das Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde (Brandenburg) habe "so viel Emissionen wie die ganze in den Emissionshandel einbezogene Bayrische Wirtschaft samt AUDI und BMW zusammen!" (14.04.2008)
Video zur Pressekonferenz: