Keine Normalität vorgaukeln
Die Vorwürfe Chinas, bei den Störungen des olympischen Fackellaufs handele es sich um Sabotage, hat die grüne Bundesvorsitzende Claudia Roth am Montag zurückgewiesen. Roth erklärte, dass die Einforderung von Menschenrechten "nicht Sabotage, sondern Ausdruck von demokratischen Gesellschaften" sei.
Roth wies darauf hin, dass nicht nur Regierungen bei der Einforderung von Menschenrechten verantwortlich seien. Sie lobte das Engagement der Bürgerinnen und Bürger in Paris, die mit Transparenten auf die Menschenrechtsverletzungen in Tibet aufmerksam gemacht hätten.
Gleichzeitig forderte Roth vom Hauptsponsor des Fackellaufs, dem Automobilhersteller Volkswagen (VW), mehr Verantwortung zu übernehmen. Angesichts der nach wie vor herrschenden Gewalt in Tibet wäre der von VW-Autos begleitete Fackellauf durch Lhasa "eine Provokation, die von einem deutschen Großunternehmen wie VW nicht unterstützt werden darf". VW könne nicht die Infrastruktur dafür leisten, "dass der Welt Normalität in Tibet vorgegaukelt" werde, warnte Roth.
Roth wies außerdem darauf hin, dass VW den sogenannten Global Compact unterzeichnet habe. Dieser von dem ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan gegründete Zusammenhang aus Großkonzernen, sei eine freiwillige Verpflichtung zur Durchsetzung der Millenium Entwicklungsziele. Nun könne VW zeigen, "ob sie die Unterschrift tatsächlich mit Inhalt füllen wird und die Unterstützung des Global Compact, oder ob sie schleunigst von dieser Unterstützungsliste verschwinden sollte".
Wirklich skandalös seien aber die "Einschüchterungsversuche" des deutschen Mitglieds des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Walther Tröger, der auf die Athletinnen und Athleten Druck ausgeübt haben soll. Durch den "Maulkorb", den Tröger ihnen anlege, stelle sich die Frage, ob sie noch mündige Personen seien. Darauf hin forderte Roth für Tröger Konsequenzen als auch die Erweiterung der Olympischen Charta, um "die Meinungsfreiheit der Sportlerinnen und Sportler während der Olympischen Spiele" zu garantieren. (07.04.2008)