Mehr Sensibilität und Besonnenheit
Zu den Diskussionen um den ARD-Tatort „Wem Ehre gebührt“ und den für heute angekündigten Protestaktionen der Aleviten in Deutschland erklären Claudia Roth, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, und Öczan Mutlu, MdA von Bündnis 90/Die Grünen Berlin:
„Die jüngste Tatort-Folge ,Wem Ehre gebührt‘ hat viele Aleviten in Deutschland sehr empfindlich getroffen, weil ein Jahrhunderte altes Vorurteil gegen Aleviten bedient wird. Erstaunlich ist die Blauäugigkeit, mit der der ARD-Tatort mit diesem Vorurteil umgegangen ist. Von der ARD und ihren Drehbuchautoren kann hier mehr Sorgfalt bei der Recherche im Vorfeld und der filmischen Umsetzung erwartet werden, insbesondere wenn mit einem Film gezielt verschiedene muslimische Glaubensrichtungen beleuchtet werden sollen.
Letztlich hat der Film vor allem gezeigt, wie gering das Wissen hierzulande über die vielen Mitbürgerinnen und Mitbürger ist, die islamischen Glaubensrichtungen anhängen. Auch heikle Themen müssen in den Medien und der Kunst deutlich angesprochen und behandelt werden können, doch ist von einem öffentlich-rechtlichen Sender verantwortungsvolles Handeln im Umgang mit anderen Glaubensrichtungen zu erwarten. Es zeigt sich, wie wichtig die Information und Aufklärung über den Islam und seine unterschiedlichen Facetten in Deutschland sind, gerade angesichts vieler Verkürzungen und Stereotype in der Diskussion um Islam und Terrorismus. Die Medien haben eine besondere Verantwortung, hier aufzuklären und zu einem friedlichen Miteinander beizutragen.
Von Seiten der alevitischen Bürgerinnen und Bürger erwarten wir besonnene Reaktionen. Kunstfreiheit und Pressefreiheit sind Kernelemente unserer Demokratie, die ohne Wenn und Aber zu respektieren sind. Wir rufen alle heute an den Protestaktionen Beteiligten auf, besonnen und friedlich ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen, wie es unsere gemeinsamen demokratischen Werte und auch die alevitische Lehre gebieten.“
Sigrid Wolff, Pressesprecherin, Platz vor dem neuen Tor 1, 10115 Berlin
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