Lebensrealitäten werden endlich anerkannt
Anlässlich der Einigung der großen Koalition zum Unterhaltsrecht erklären Claudia Roth, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen und Astrid Rothe-Beinlich, Frauenpolitische Sprecherin und Mitglied im Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen:
„Wir begrüßen, dass der vorliegende Entwurf die Lebensrealitäten in unserem Land endlich anerkennt und dass auch im Scheidungsfall das Kindeswohl – unabhängig von der bisherigen Lebensform der Eltern - in den Mittelpunkt rückt. Damit wird eine unsägliche Debatte beendet, in der die Förderung des konservativen Modells von Ehe und Familie Vorrang haben sollte, vor dem Wohl der Kinder, die aus nichtehelichen Familien stammen. Für Bündnis 90/Die Grünen steht fest: Jedes Kind ist gleich viel wert.
Dass die nacheheliche Eigenverantwortung gestärkt werden soll, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Er wird jedoch konterkariert, wenn gleichzeitig ein Betreuungsgeld eingeführt wird, das nachweislich dazu führt, dass Frauen ihre Erwerbstätigkeit aufgeben. Ohne ein verlässliches und flächendeckendes Netz an qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr und einer frühkindlichen Bildung, wird das Einfordern nachehelicher Eigenverantwortung vor allem für Frauen zu einer doppelten Falle. Erst werden Anreize gesetzt, aus dem Berufsleben auszusteigen, um ihnen dann mangelnde Eigenverantwortung vorzuwerfen.
Die Glaubwürdigkeit dieser Regierung wird sich bei der Frage des Ausbaus der Kinderbetreuung, inklusive eines flächendeckenden Netzes an Ganztagesschulen zeigen. Wenn hier nicht schnell gehandelt wird, werden Frauen mit Kindern, egal ob ehelich oder nichtehelich, zu den Verliererinnen der Reform gehören.“
Sigrid Wolff, Pressesprecherin, Platz vor dem neuen Tor 1, 10115 Berlin
Tel: +49 (0)30/28442-131/134, Fax: +49 (0)30/28442-234