Drei Fragen an eine Gipfelstürmerin

Seit gestern steht die Blockade: Mit hunderten Demonstranten und etwa 50 Mitgliedern der Grünen Jugend sitzt Sprecherin Paula Riester an der "Kontrollstelle Galopprennbahn" am Sicherheitszaun von Heiligendamm. Von entspannter Stimmung und friedlichem Protest berichtete sie gruene.de per Handy.
gruene.de:Sicherheitsmaßnahmen für Millionen Euro, hochgerüstete Hundertschaften der Polizei und Gruppen von bunten Demonstranten ungehindert auf dem Weg durchs Getreidefeld. Die Bilder gestern waren spektakulär. Wie habt ihr es bis zum Zaun geschafft?
Wir sind morgens um neun mit etwa 4.000 bis 5.000 Leuten aus dem Camp los, zuerst über die Straße, Richtung Bad Doberan. Dann sind wir plötzlich auf eine Sperre durch die Polizei gestoßen und sofort ab in den Wald. Wir sind durch den Wald und über Felder gelaufen, bis wir gegen zwölf Uhr das Osttor am Sicherheitszaun, die Kontrollstelle Galopprennbahn erreicht haben. Dort waren nur zehn Polizisten, die sich dann relativ schnell zurückgezogen haben. Seitdem sitzt eine Gruppe direkt am Zaun und eine kleinere Gruppe etwas weiter hinten an einer Kreuzung, viele haben hier auch übernachtet. Wir sind immer noch mehrere tausend Menschen, würde ich schätzen.
gruene.de: Wie ist die Stimmung bei euch?
Die Stimmung ist super, total friedlich. Vorhin hat eine Sambaband gespielt, gestern haben Clowns zwischen Demonstranten und Polizei eine kleine Vorführung gegeben. Da mussten auch die Polizisten schmunzeln. Außerdem gibt es zu essen und zu trinken. Eben kam jemand und hat Softeis verteilt. Auch Anwohner kommen vorbei und bringen uns etwas mit. Wir haben seit gestern Abend sogar Dixiklos, die von der Logistik-AG namens BlockG8 aufgestellt wurden. Wenn Anwohner hier vorbeifahren wollen, lassen wir sie durch.
gruene.de:Abgesehen von den eindrucksvollen Bildern in Zeitungen, Fernsehen, Internet: Was hat eure Aktion konkret gebracht?
Wir haben es geschafft, dass gestern alle Landwege zum Tagungsgelände des Gipfels zu waren. Alle Delegierten mussten eingeflogen werden und die Journalisten wurden mit Booten hineingefahren. Das war natürlich ein großer Aufwand und deutlich langwieriger als es die Gipfelorganisation vorgesehen hatte. Außerdem finde ich es wichtig und ein gutes Zeichen, dass jetzt endlich Fotos von bunten, friedlichen Protesten dominieren. Diese verdängen hoffentlich die Bilder von Steinewerfern. (07.06.2007)