Armen Menschen eine Stimme geben

Mit einem Appell an die G8-Staaten zur Bekämpfung des Hungers in der Welt ist in Rostock der Alternativgipfel eröffnet worden. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth bezeichnete die Eröffnungsveranstaltung in der Rostocker Nikolaikirche als einen "beeindruckenden Auftakt".
Auf der Auftaktveranstaltung warb der UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler für eine Bekämpfung des Hungers. Ziegler sagte, zwar gebe es Lebensmittel im Überfluss. Dennoch stürben jeden Tag weltweit 100.000 Menschen an Hunger oder seinen Folgen.
Wenn es um Afrika gehe, sprächen die G8-Staaten immer zunächst über Investitionssicherheit, kritisierte Ziegler in der Rostocker Nikolaikirche. Das Wort Hunger komme nicht vor. Deswegen müsse der Alternativgipfel für jene 2,7 Milliarden armen Menschen kämpfen, die keine Stimme hätten. Dass mehr als 850 Millionen Menschen weltweit hungerten, sei mehr als bloße Statistik, sagte der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.
Das Interesse an der Auftaktveranstaltung des Alternativgipfels war riesig, die Nikolaikirche überfüllt. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth wertete dies als positives Zeichen: "Es war ein wirklich beeindruckender Auftakt. Viele tausend vor allem junge Menschen aus der ganzen Welt zeigten ihr großes Interesse daran, Wege zu einer gerechten Globalisierung zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Sie machten sehr deutlich: Eine andere Welt ist möglich – es geht jetzt darum, den Weg dorthin einzuschlagen."
Bündnis 90/Die Grünen haben sich am Alternativgipfel mit einem guten Dutzend Workshops beteiligt. Zum Thema "Flucht vor der Globalisierung" beispielsweise leitete die Bundesvorsitzende Claudia Roth gemeinsam Karl Popp von der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl und mit Thomas Gebauer von der Hilfsorganisation medico international einen Workshop am Vormittag. Dieser fand tief im Bauch des Schiffes "Stubnitz" im Hafen von Rostock statt.
Im Rahmen des Workshops "Flucht vor der Globalisierung" erklärte Roth: "Migration ist eine der dramatischen Folgen ungerechter Globalisierung." Es sei der falsche Weg, darauf mit dem Aufbau einer "Festung Europa" zu reagieren. Den betroffenen Ländern müssten faire und echte Chance auf eine eigene Entwicklung gegeben werden.

Zudem veranstalteten die Grünen den Workshop "Aufrüstung verhindern". Organisiert wurde er in Kooperation von der grünen Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Frieden und Internationales mit Claudia Roth. Teilgenommen haben zudem Oliver Meier vom Institut für Sicherheitspolitik Hamburg und Arms Control Today, sowie Thomas Küchenmeister vom Aktionsbündnis Landminen. Im Workshop standen die nukleare Abrüstung und die Problematik der Landminen und Streumunition im Zentrum. Weitere Workshops der Grünen thematisierten den Umweltschutz oder den Rechtsextremismus.
Einen literarischen Beitrag für die Protesttage rund um den G8-Gipfel lieferte Robert Habeck, Landesvorsitzender der Grünen in Schleswig-Holstein. Im Protestcamp Reddelich las er aus seinem Jugendbuch "Unter dem Gully liegt das Meer", ein Jugendroman, bei dem die Proteste rund um den Gipfel in Heiligendamm die Rahmenhandlung bilden.

An dem dreitägigen Alternativgipfel in Rostock, der parallel zum G8-Gipfel im Ostseebad Heiligendamm stattfindet, nehmen rund 1500 Menschen aus 40 Ländern teil. In 120 Workshops wird über Themen wie Bildung, fairer Handel, Abrüstung und Entwicklungshilfe diskutiert. Das Ziel: Gegenmodelle zur herrschenden Politik der G8-Staaten entwerfen. (06.06.2007)