| Antragsteller/innen: | Horst Schiermeyer |
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| Gegenstand: | Klimaschutzpolitik |
| Anmerkungen: |
Änderungsantrag zu KS-01
Nach Zeile 162 soll angefügt werden:
"Um einen schnellen Umstieg auf 100 % Erneuerbare Energie zu erreichen, ist die umfassende dezentrale wie großräumige Nutzung aller ökologisch verträglichen Quellen für Erneuerbare Energien notwendig. Dazu ist die Erweiterung des Transeuropäischen Stromnetzes durch ein Hochspannungsgleichstromübertragungs-Netz (HGÜ) notwendig, mit dem die zeitlich variierend anfallenden Erneuerbaren Energien kostengünstig großräumig ausgeglichen werden können. Zusätzlich können Speicherkapazitäten aus Speicherkraftwerken in Gebirgsregionen u.a. der Alpen und Norwegens einbezogen werden. Dies ist sowohl entscheidend billiger als auch mit deutlich weniger Materialverbrauch verbunden als vergleichbare erneuerbare Konzepte mit intensiver lokaler Stromspeicherung. Das Netz ist der billigste und effizienteste ‚Speicher’. Transportverluste auch über Tausende von Kilometern sind gering im Vergleich zu den Verlusten aller vorhandenen Speichertechnologien. Durch den geringeren Materialverbrauch fällt auch die Ökobilanz der vernetzten Lösung signifikant besser aus. Zugleich ist das Netz in der Lage, Anschlusspunkte für die Verbindung mit anderen Netzen (z. B. in Nordafrika) zu bilden und wesentlich zur europäischen Netzstabilität beizutragen. Der Anschluss großer Offshore-Windfarmen im Meer bzw. leistungsfähiger Systeme zur Nutzung von Meeresenergien im Norden Europas wäre so kostengünstig zu erreichen, ebenso der Anschluss von Windparks in Gebieten Afrikas mit sehr hohen Windgeschwindigkeiten oder von solarthermischen Anlagen in Regionen mit hoher Solarstrahlung. Gerade die Windpotentiale in Europa und Nordafrika ergänzen sich jahreszeitlich sehr gut – zum Nutzen beider Seiten. Dabei muss aber klar sein, dass ein solches Netz in erster Linie dem Ausgleich zwischen unterschiedlichen erneuerbaren Erzeugern und anfallenden Lasten dient. Es ersetzt damit nicht den dezentralen Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugungstechnologien und die Ausnutzung der regionalen Ressourcen."
Begründung:
Angesichts der politisch-ökonomischen Rahmenbedingungen mag ein Zeithorizont bis 2100 realistisch sein für eine komplette Umstellung auf EE-Strom. Technisch möglich ist eine Komplettumstellung aber schon kurzfristig und auch finanziell tragbar. Als "treibende Kraft für eine ökologische Erneuerung" ist es unsere Aufgabe als Bündnisgrüne, "den notwendigen radikalen Realismus in der Umweltpolitik mehrheitsfähig zu machen" und "ökologische Avantgarde zu sein" (s. Einleitung des BuVo-Antrages). Deshalb müssen wir hier das Mögliche fordern, aber auch Wege für die Umsetzung benennen.
Eine rein nationale Umstiegsstrategie stößt an landschaftsschützerische (Windkraft), ökologische (pflanzliche Treibstoffe) und ökonomische (Photovoltaik) Grenzen und bedarf großer Reservekapazitäten zum Ausgleich von Windflauten und Dunkelheit. Bei einer großräumigen Umstiegsstrategie stellen sich diese Probleme nicht in gleichem Maße. Die Kosten für den Aufbau des HGÜ-Netzes und die Leitungsverluste werden ausgeglichen dadurch, dass z.B. bei Windkraftanlagen an guten Standorten in der Umgebung Europas die Auslastung 4.500 bis 6.000 Volllaststunden beträgt gegenüber 1.500 Stunden an guten deutschen Binnenlandstandorten und 3.500 Stunden an Offshore-Standorten in der Nordsee. Nach seriösen Berechnungen würde solcher Importstrom - je nach Rahmenbedingung und Standortqualität - ca. 3,5 bis 6 Eurocent/kwh kosten, also ähnlich viel wie Strom aus fossilen Kraftwerken (ohne deren Umweltkosten).
Klar ist allerdings auch, dass eine großräumige Umstiegsstrategie andere Probleme zu bewältigen hat. Es wird politisch schwierig, so viele Länder "unter einen Hut zu bekommen", energetisch interessante Bereiche gerade in Nordafrika und den UdSSR-Nachfolgestaaten sind politisch instabil, die Kontrolle der Energiekonzerne über solche "Supernetze" muss verhindert werden.
Technisch möglich wäre es, innerhalb der nächsten Jahrzehnte sowohl mit der einen wie der anderen Strategie allein zu einer Erneuerbare-Energie-Vollversorgung zu kommen. Aus politisch-ökonomisch-sozialer Sicht ist aber davon auszugehen, dass dies kaum realisierbar sein wird – jedenfalls nicht so schnell, wie der Klimawandel dies erfordert. Daher gilt das in diesem Antrag genannte:
"Um einen schnellen Umstieg auf 100 % Erneuerbare Energie zu erreichen, ist die umfassende dezentrale wie großräumige Nutzung aller ökologisch verträglichen Quellen für Erneuerbare Energien notwendig."
Der hier vorgeschlagene Zusatz stammt aus dem "EU-Netzbeschluss" der BAG Energie vom 03.04.2007, aus dem auch der vorgehende Absatz im BuVo-Antrag entnommen ist, s.
http://www.basis.gruene.de/bag.energie/papiere/070303_EU-Netzbeschluss.pdf
Entsprechendes schlagen auch vor:
- Hermann Scheer (allerdings für China, Indien, USA etc., s. "Energieautonomie", S. 78/79, wobei nur schwer nachzuvollziehen ist, warum er dies für Europa nicht vorschlägt),
- der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltfragen als "Leuchturm 1 - Europäisches Supernetz" http://www.wbgu.de/wbgu_pp2007.pdf,
- der Club of Rome http://www.trecers.net/de/index.html
- und EnBW-Chef Utz Claassen: "Ökostrom-Netz über Kontinente hinweg" (dessen gleichzeitige Seitenhiebe gegen das deutsche EEG allerdings Unsinn sind) http://www.hna.de/politikticker2/00_20070312195123_Oekostrom_Netz_ueber_Kontinente_hinweg.html