Energiekonzernen laufen Kunden davon

Atomausstieg selber machenImmer mehr Menschen haben immer weniger Lust auf Atomstrom – und wechseln zu Ökostrom-Anbietern. Einer Umfrage zufolge bezogen 2005 insgesamt weit mehr als eine halbe Million Privathaushalte Ökostrom. Die Kampagne "Atomausstieg selber machen" gibt diesem Trend einen weiteren Anschub.

Nach der bisher umfassendsten Erhebung des Ökostromsegments in Deutschland durch die Fachzeitung Energie & Management (E&M) setzten im vergangenen Jahr mehr als 625.000 Privathaushalte und fast 42.500 Gewerbebetriebe auf Ökostrom. "Das Ökostromgeschäft ist auf dem Vormarsch, zwar noch unspektakulär, aber sehr kontinuierlich. Dieses Wachstum ist robust", so der für die Umfrage verantwortliche E&M-Redakteur Ralf Köpke. Die Umfrage ist nach 2004 die zweite dieser Art.

Unterdessen verschlechtert sich der Ruf der großen Energiekonzerne, die vorrangig immer noch auf Atomkraft setzen, mehr und mehr: Die großen Energiekonzerne E.ON, RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg (EnBW) stehen wegen ihrer enormen Gewinne bei gleichzeitig steigenden Strompreisen zunehmend in der Kritik. Zudem hatte Anfang November ein umfangreicher Stromausfall im Netz von E.On für negative Schlagzeilen gesorgt.

"Ansehen von RWE und Co. befindet sich im Allzeittief"

Kurz zuvor hatte der Energieriese RWE eine Laufzeitverlängerung für das störanfällige Atomkraftwerk Biblis A beantragt, was die Grünen wie auch die Umweltverbände als faktische Aufkündigung des Atomkonsens werten. Im Atomkonsens vereinbarte die damalige rot-grüne Bundesregierung mit der Energiewirtschaft den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie. Insgesamt 14 Umwelt-, Anti-Atomkraft- und Verbraucherschutzverbände haben nach dem Verlängerungsantrag die Kampagne "Atomausstieg selber machen - Stromwechsel jetzt!" gestartet, die von den Grünen unterstützt wird. Sie informiert darüber, wie unkompliziert es ist, jetzt den Stromanbieter zu wechseln und Ökostrom-Konsument zu werden.

Nach Angaben von Gerd Rosenkranz, Leiter Politik und Öffentlichkeitsarbeit bei der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH), sickert die Kampagne in die Gesellschaft ein und wird sie die Wechselbereitschaft erheblich erhöhen. "Das Ansehen von RWE und Co. befindet sich im Allzeittief. Gleichzeitig verstehen immer mehr Menschen und Unternehmer, dass hierzulande niemand gezwungen ist, gefährlichen Atom- oder klimaschädlichen Kohlestrom bei den Marktführern zu beziehen", sagt Rosenkranz.

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