Von der Betonwüste zur "creative city"

Wie können Städte das Potential ihrer Bürger nutzen? Wie lassen sich ganzheitliche Visionen in konkrete Politik umsetzen? Das waren die spannenden Fragen bei der Podiumsdiskussion zum Thema "Stadt der Zukunft – Zukunft der Stadt".

 Räume für Kreativität schaffen, Vielfalt als Chance nutzen: Das ist der Kern des "creative city"-Konzeptes von Charles Landry. Er ist Gründer der Londoner Agentur COMEDIA, die Städte bei der Entwicklung ihres Kreativpotentials berät. "Die Stadt ist auch ein emotionales Erlebnis, und das wurde von der Politik und der Stadtplanung viel zu lange ignoriert", sagte er. Um zu einem lebenswerten Ort zu werden, müsse die Ressortblindheit in der Planung aufhören und die Bereiche wie Architektur, Verkehr, Sozialpolitik und Wirtschaft stärker verknüpft werden.

"Wir müssen die Beziehungen sehen, anstatt nur in Fragmenten zu denken."  Weiche Infrastrukturen wie Bildung und eine funktionierende Bürgerkultur würden im Wettbewerb der Städte immer wichtiger. "Eine kreative Stadt muss bestenfalls die Voraussetzung sein, damit Bürger die Zukunftsprobleme selbst lösen können", fasste Landry zusammen.

Ein Ansatz, mit dem sich auch die Grünen-Politikerinnen auf dem Podium identifizierten: Jutta Ebeling, Bürgermeisterin in Frankfurt betonte die Bedeutung guter Kindergärten und Schulen. Eine moderne Stadt müsse kinderfreundlich sein, um zufriedene und engagierte Bürger und Bürgerinnen hervorzubringen, um den „kreativen Humus“ zu fördern. Außerdem dürfe eine Stadt ihren Grund und Boden nicht gedankenlos in die Hände von Investoren geben. „Ökonomische Prinzipien dürfen nicht den öffentlichen Raum beherrschen“, so Ebeling. Die Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Kommunalpolitik, Kerstin Andrae, legte Wert auf Sachkompetenz auf lokaler Ebene: „Es sind die Städte und Kommunen, die jetzt am Drücker sind.“ Zentrale Aufgabe müsse es auch sein, die Zuwanderung zu einer Win-Win Situation zum machen. „Wir müssen interkulturell und nicht multikulturell leben, das Miteinander verschiedener Kulturen als Chance begreifen.“ Es seien oft Städte mit inneren Spannungen, die die größte Kreativität hervorbrächten. Ein Punkt, dem auch Franziska Eichstädt-Bohlig zustimmen konnte: Die Grüne Spitzenkandidatin für die Berliner Abgeordnetenwahl lobte das schöpferische Potential der Hauptstadt und forderte gleichzeitig ein Umdenken in der Lokalpolitik: „Die Politik muss in erster Linie mit Menschen und nicht mit Geld gemacht werden.“

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