Frauenpolitischen Roll-Back verhindern
"Als ich aufwuchs, war Feminismus sexy, abgründig und aufwühlend", sagte Referentin Elke Schmitter, Romanautorin und ehemalige Chefredakteurin der taz bei der Frauen-Lounge. "Heute ist er das nicht mehr so."Die Frauenbewegung habe sich gewandelt – die große Wut der 70er Jahre, als Frauen noch ganz offensichtlich rechtlich benachteiligt waren, habe sich gelegt. "Die übrig gebliebenen Benachteiligungen sind weniger sichtbar und komplexer und haben geringeres Empörungspotenzial", sagte Schmitter. Um sie zu bekämpfen, sei leider unattraktive Knochenarbeit im politischen Tagesgeschäft nötig.
Dagegen forderte Parteichefin Claudia Roth bei der anschließenden Diskussion: "Wir müssen in der Feminismus-Debatte unsere Radikalität bewahren." Dass in den Aufsichtsräten der Dax-Unternehmen noch immer fast keine Frauen säßen, sei ein Skandal. Darüber hinaus sehe sie deutlich die Gefahr eines frauenpolitischen Roll-Backs. "Gibt es einen neuen Feminismus?", fragte die Bundestagsabgeordnete Irmingard Schewe-Gerigk, "und wie müsste man ihn definieren?" Wie früher käme man jedenfalls nicht mehr weiter, antwortete Elke Schmitter. Eine weniger zornige und sachlichere Debatte sei nötig.