Schluss mit Stereotypen
Integration durch Verfassungspatriotismus oder mehr Mut zur gesellschaftlichen Vielfalt? Bei der Podiumsdiskussion zum Thema "Deutschland bunte Heimat?" lieferten sich die Teilnehmerinnen spannende Wortgefechte. Einig waren sie sich in der Ablehnung vereinfachender Stereotype.
Es dürfe kein kategorisches "Die" und "Wir" in der Integrationsdebatte geben – das war der kleinste gemeinsame Nenner der drei Teilnehmerinnen bei der von Omid Nouripour, Mitglied des Bundesvorstands der Grünen, moderierten Diskussion. Doch dann war auch schon Schluss mit den Übereinstimmungen. Zümrüt Gülbay, Wirtschaftsrechtsprofessorin an der Fachhochschule Anhalt, plädierte für klassische Bildung als Königsweg zu einer gelungenen Integration. In den Augen von Yasemin Karakasoglu, Professorin für interkulturelle Bildung in Bremen, sind es mehr die "Soft Skills", die Migrantenkinder bräuchten.
Verfassungspatriotismus ist für beide zentrales Element einer nationalen Identität. "Die Loyalität zur Gesellschaftsordnung und den Gesetzen – ohne das geht es nicht", so Gülbay. Außerdem schwärmte sie von der Reife der Migrantenkinder: "Die müssen sich schon sehr früh Gedanken über ihre Identität und ihr Selbstbild machen, sich zwischen den Kulturen positionieren – dadurch werden sie sehr viel schneller erwachsen."
Für Maria do Mar Castro Varela vom Institut für Migrationsforschung waren das zu theoretische und rationale Ansätze. Sie forderte Mut zu neuen Utopien von gesellschaftlichem Zusammenleben und einen Kampf "gegen den strukturellen Rassismus". Auch gegen die angestrebte Norm vom angepassten, durchschnittlichen Migranten wehrte sie sich: "Die Gesellschaft ist nicht homogen, und das ist auch gut so."
Yasemin Karakasoglu kritisierte mangelnde Gerechtigkeit in der Arbeitswelt: "Es ist leider immer noch ein Märchen, das Ausländer bei gleichen Qualifikationen die gleichen sozialen und beruflichen Chancen haben." Dies sei ein gesamtgesellschaftlicher Skandal.