"Es gibt nur eine grüne Zukunft!"

02.09.2006 Die Konflikte um Ernährung, Wasser und Land seien die größten Herausforderungen der nächsten Jahre. Das betonte die indische Bürgerrechtlerin Vandana Shiva gestern Abend im ersten Impulsreferat des Zukunftskongress zum Thema: "Von heute nach morgen: Was prägt die Entwicklung bis 2020?"
Im Jahre 2020, so Shiva, werde es eine "totale Nahrungs-Diktatur" einiger Großkonzerne geben – wenn kein anderer Weg eingeschlagen werde. Die Alternative einer "Nahrungs-Demokratie" werde nur mit einem Gleichgewicht zwischen Norden und Süden zu erreichen sein. Voraussetzung dafür sei eine nachhaltige Landwirtschaft und die Erhaltung kleinbäuerlicher Strukturen weltweit, sagte die Trägerin des Alternativen Nobelpreises.
Die überlebenswichtige Ressource Wasser werde durch intensive landwirtschaftliche Massenproduktion und großflächige Wasserumleitungen mit Hilfe von Staudämmen ausgebeutet. Dadurch würden ganze Regionen in Wasserkrisen gestürzt. Wenn dieser Entwicklung nicht gegengesteuert werde, sagte Shiva voraus, hätten im Jahr 2020 fünf Milliarden Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser.
Als wichtige Ursache des Landkonflikts benannte Shiva die Verlagerung von Produktion im Rahmen der Globalisierung: "Tausende Menschen werden von ihrem Land vertrieben, um internationaler Industrieproduktion Platz zu machen." In Indien beispielsweise drohe 2020 die Hälfte der Bevölkerung enteignet zu sein. "Doch das Land ist die letzte Ressource der Armen", warnte sie.
Aus diesen drei Hauptkonfliktlinien entwickle sich eine "Spirale der Gewalt", die von einem ungerechtem Wirtschaftssystem und der Ausgrenzung großer Bevölkerungsteile gefüttert werde. Aufgabe grüner Politik sei es diese Entwicklung zu stoppen. "Die Frage ist nicht, ob es eine grüne Zukunft gibt", betonte Shiva: "Eine Zukunft gibt es nur, wenn sie grün gestaltet wird!"
Der britischer Soziologe Zygmunt Baumann suchte im zweiten Referat die Antwort auf die Frage, was Europa für die Zukunft der Welt tun könne. Der besondere Reichtum Europas sei seine Vielfalt, so der emeritierte Professor der Leeds University: "Europa hat gelernt wie historischer Antagonismus überwunden und Konflikte friedlich beigelegt werden können." Diese Gabe brauche der Globus mehr als alles andere, um andere Werte umzusetzen. Europas Aufgabe sei es, die europäische Idee, ihre Institutionen und Regeln weiterzutragen in eine globale Demokratie. Deshalb dürfte sich die EU nicht auf interne Standortkonkurrenz beschränken, sondern müsse globale Verantwortung übernehmen.
Voraussetzung dafür sei, dass sich Europa aus dem Schatten des US-amerikanischem Weltimperiums löse. Denn das Problem sei, dass die USA alle Konflikte in militärische umdefiniere, da dort die eigene Stärke ausgemacht werde. "Doch die Probleme der Welt können nicht mit militärisch gelöst werden. Dies schafft nur neue Gewalt", warnte Baumann.