Beinahe-GAU zeigt Alternativlosigkeit des Atomausstiegs

Atom Bande aufhalten

"Der schwere Atomunfall im schwedischen AKW Forsmark I macht schlaglichtartig die fortdauernde Gefahr dieser Technologie deutlich", so der Grüne Bundesvorsitzende Reinhard Bütikofer. Nur knapp sei Europa einer Atomkatastrophe entkommen, erklärte der energiepolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Hans-Josef Fell. Erst nach vehementen Aufforderungen, vor allem auch seitens der Grünen, hat das Bundesumweltministerium umfassende Aufklärung des Störfalls angekündigt.

Nur dem couragierten Eingreifen des Personals ist es offenbar zu verdanken, dass am 25. Juli eine Kernschmelze im schwedischen Atomkrafwerk Forsmark in letzter Minute abgewendet werden konnte. Nach einem kurzfristigen Black-Out ist Medienberichten zufolge im gesamten Atomkraftwerk der Strom ausgefallen, weder Kühlsystem noch Kontrollsysteme oder Notstromaggregate funktionierten. Ohne das manuelle Anschalten verbliebener Notstromaggregate, wäre eine Kernschmelze und damit unweigerlich ein GAU in dem Atomkraftwerk eingetreten.

Erinnerung an Harrisburg und Tschernobyl

"Dieser Vorfall ruft Erinnerungen an die Schrecken von Harrisburg und Tschernobyl wach", mahnte Bütikofer. Verwundert zeigte sich Fell darüber, dass die deutsche Öffentlichkeit nicht offiziell über das Bundesumweltministerium (BMU) aufgeklärt wurde, sondern erst aus den Medien über die Beinahe-Katastrophe erfuhr: "Gibt es bei solch gravierenden Störfällen Probleme im innereuropäischen Informationsaustausch der Aufsichtsbehörden oder hat das BMU diesen ernsten Störfall einfach verschwiegen?"

Das Bundesumweltministerium reagierte erst am Freitag. Das Ministerium ermittle "den genauen Sachverhalt im Atomkraftwerk Forsmark" und werde "so schnell wie möglich klären, ob die zugrunde liegenden sicherheitstechnischen Mängel auch in deutschen Atomkraftwerken vorliegen könnten", teilte eine Sprecherin in Berlin mit.

Aufklärung statt "lapidare Beruhigungsmeldungen"

Die stellvertretende Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn, kritisierte die späte Reaktion des von Sigmar Gabriel (SPD) geführten Ministeriums: "Im Rahmen von europäischen Abkommen der Gefahreninformation hätte das Ministerium eigentlich schon letzte Woche informiert und dementsprechend aktiv werden müssen." Die "lapidaren Beruhigungsmeldungen" der deutschen Betreiber seien wenig hilfreich. Der Energiekonzern Vattenfall ist Betreiber des schwedischen Störfall-Kraftwerks.

Höhn, Fell und Bütikofer betonten entschlossen die Alternativlosigkeit zum Atomausstieg. "Es gibt nur einen ansatzweise sicheren Umgang mit Atomkraft: schnellstmöglich abschalten", sagte der Bundesvorsitzende.

LINKS